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Von Josef Abt
Rehling-Scherneck Drei Tage lang wurde Schloss Scherneck bei Rehling
ins Mittelalter zurückversetzt. Der Schlosshof wimmelte von
Menschen, unzählige Stände und Zelte waren aufgebaut, Fackeln und
Kerzen tauchten die Szenerie in romantisches Licht. Wenn da nur
nicht die sibirische Kälte gewesen wäre, die zumindest am Freitag
und Samstag herrschte. Auch tagsüber stieg das Thermometer nicht
über minus 14 Grad Celsius. Die begehrtesten Orte waren deshalb die
Lagerfeuer, die ein wenig für Erwärmung sorgten.
Innerlich konnte man sich mit zahlreichen Spezialgetränken wärmen –
ob „Heißer Ritter“ oder „Herzwärmer“, wie „Bienen-Willi“, Willi
Wackerl aus Todtenweis, bei den Landsknechten auch „Mundschenk“
genannt, sein Gemisch aus Met und vier verschiedenen Säften nannte.
Es mundete ebenso wie die vielen Leckereien für den Gaumen wie
Räuberspieß oder „Federvieh im Weizenlaib“.
Eröffnet hatte den Markt am Freitagabend Schlossherrin Carola
Siedler mit Sepp Rabas, Vorsitzender des Landsknechtstrosses, und
dessen Stellvertreterin Christine Bock, musikalisch eingestimmt
durch die sichtlich frierenden „Spielleut der Curpfalz Patapan“.
Nur Kerzen, Öllampen,
Fackeln
Carola Siedler freute sich, dass der historische Weihnachtsmarkt an
dieser historischen Stätte stattfindet, wo alles authentisch wie vor
vielen hundert Jahren nachgestellt werden kann – ohne elektrischen
Strom. Für Licht sorgten ausschließlich Lichtquellen, die auch im
Mittelalter zur Verfügung standen: Kerzen, Öllampen und Fackeln. Das
mache die Szenerie besonders in der Dunkelheit auch so
stimmungsvoll, schwärmte die Schlossherrin. Sie hob auch das
Engagement des Landsknechtstrosses 1504 hervor, der den Markt
monatelang mit viel Fantasie vorbereitet hatte. Er bereite nicht nur
den vielen Besuchern Freude, sondern helfe mit der Spende an die
Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, notleidenden
Menschen in der Region.
Sepp Rabas gab den Dank an die Schlossherrin zurück, die das Gelände
zur Verfügung gestellt hatte. Zum Weihnachtsmarkt wurde eine eigene
Münze geprägt: Eine Seite zeigt Schloss Scherneck, die andere das
Wappen des Landsknechtstrosses.
Beim Markt waren nicht nur die Waren historisch, sondern auch das
Rahmenprogramm. Statt Weihnachtsliedern erklangen die Trommeln der
„Tänzelfest-Landsknechtstrommler Kaufbeuren“ oder der „Edle
Fanfarenzug zu Hilpoldstein“, die in ihren farbenprächtigen
Gewändern durch die kleine Budenstadt zogen. Ein Gaukler trieb
seinen Schabernack, ein Zauberer zeigte seine Magie, Feuerspucker
sorgten zumindest kurzzeitig für ein wenig Wärme in der eiskalten
Luft.
Ein besonderer Anziehungspunkt war der Schmied an seiner Feuerstätte
(Simon Wackerl aus Todtenweis), der kleine Hufeisen und Piratenhaken
fertigte. Hier durften Kinder am Amboss selbst kräftig auf das
glühende Eisen eindreschen. Zu bestaunen war auch mittelalterliche
Handwerkskunst, für Unterhaltung sorgte auch ein Märchenzelt. |